In vielen Medien werden Fact-Checker-Einheiten aufgebaut, um „Fake News“ oder Gerüchte zu widerlegen. Für seine Social-Media-Manager baut der Bayerische Rundfunk ein nützliches Tool. Darüber berichtet Daniel Bouhs im NDR-Medienmagazin ZAPP. 

Notleidende Flüchtlinge, die ihre Möbel wegschmeißen, weil sie ihnen nicht gefallen oder das eine neue Allheilmittel für alle Krebsarten: Unter anderem mit solchen schier unglaublichen, aber im Netz weit verbreiteten und mitunter für das eigene Weltbild missbrauchten Geschichten beschäftigt sich in München die neue Arbeitsgruppe „BR Verifikation“. Der Bayerische Rundfunk hat zunächst für vier Wochen Journalisten unterschiedlichster Redaktionen zusammengezogen. In einem „Bootcamp“ – Hipsterdeutsch für Arbeitsgruppe – loten sie aus, wie der BR im Jahr der Bundestagswahl und ein Jahr vor der Landtagswahl mit „Fake News“ umgehen sollte.

„Wir haben alle ‚Fake News‘ im amerikanischen Wahlkampf beobachtet“, sagt Redakteur Stefan Primbs. Die Entwicklungen in den USA sei Motivation, sich die Inhalte in sozialen Netzwerken auch hierzulande anzusehen: „Auch bei uns kommen Player auf den Markt, die zum Teil kommerzielle, zum Teil aber auch politische Interessen haben.“ Zusätzlich säßen ihm und seinen Kollegen noch der Schrecken des Münchner Amoklaufs in den Knochen. Damals haben manipulierte Bilder und falsche Informationen, die via Twitter und Facebook verbreitet wurden, die Panik angeheizt – Verletzungen bei unnötigen Fluchtversuchen inklusive. „Es ist Aufgabe von Journalisten, den Leuten zu sagen: Das stimmt und das nicht“, sagt Primbs. „Das treibt mich persönlich an.“

Während Primbs mit seinen Kollegen am richtigen Modell arbeitet und Ausschau hält nach wirklich krassen ‚Fake News“, arbeitet Gudrun Riedl am Newsdesk von BR24 an einem weiteren Baustein im Kampf gegen Gerüchte. Riedl entwickelt die Fakten-Datenbank „Fact Fox“.

„Das ist doch unsere eigentliche Aufgabe als Journalisten: über Fakten diskutieren“, sagt Riedl. „Ich wüsste nicht, was wertvoller wäre.“

Riedl glaubt daran, dass ausführliche Geschichten, wie sie Journalisten seit Jahrzehnten veröffentlichen, immer seltener das Publikum erreichen und damit auch die Ergebnisse journalistischer Recherchen. „Wir Journalisten setzen nicht mehr wirklich die Themen“, sagt Riedl und erinnert sich an die jüngste Diskussion um die „Blaue Plakette“ für das Diesel-Verbot in Großstädten. „Wenn wir so etwas posten, schlägt die Diskussion auf Facebook eine völlig andere Richtung ein.“ Es sei eine „notwendige Weiterentwicklung des Journalismus“, dass sie und ihre Kollegen dann eben auch in den Kommentaren präsent sein, in denen in diesem Fall etwa behauptet worden sei, Mineralölkonzerne würden Diesel doch selbst verbannen, weil sie mit Benzin mehr Geld verdienten – leicht zu widerlegen, denn bei Benzin verdient im Gegenteil vor allem der Staat über Steuer. 

Weblink zum Thema:

 

Video-Quelle:
Die „Fake News“-Fahnder beim BR, ZAPP, 08.03.2017, Autor: Daniel Bouhs. mehr…

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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