Frank-Walter Steinmeier ist zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden. Doch ist er der richtige Bundespräsident in rauen Zeiten? „Keine Werbestunde für unsere Demokratie“, kommentiert Julian Vetten in n-tv: „Anstatt näher auf die Vorzüge und Nachteile eines Frank-Walter Steinmeiers als Bundespräsident einzugehen, nutzen alle die Fernsehbühne für eine Art vorgezogenen Wahlkampf.“ 

Wer die Sendung verpasst hat, kann sie in voller Länge (1 Stunden und  21 Minuten) in der ARD-Mediathek sehen: → Anne Will, Bundespräsident Steinmeier – Der richtige Mann in rauen Zeiten?

 

Gäste bei „Anne Will“ am Sonntagabend waren die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), Gregor Gysi von den Linken, die Intendantin des Berliner Maxim Gorki Theaters, Shermin Langhoff, WeltN24-Chefredakteur Ulf Poschardt, sowie der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer.

Pressestimmen:

„Schon der Ansatz war daneben“, meint Gerd Appenzeller im Tagesspiegel. Da ist der langjährige Bundesaußenminister gerade von der Bundesversammlung mit einer satten Mehrheit um die 75 Prozent zum neuen Staatsoberhaupt gewählt worden, und wir wollen im Fernsehen, in der ARD, ernsthaft darüber diskutieren, ob der Mann der richtige in rauen Zeiten ist? Wollen wir damit sagen: Den zu wählen, war eine krasse Fehlentscheidung? Oder wollen wir, wie ein Papagei, bestätigend nachplappern, dass alles okay ist, wie es lief? Nein, dieser Ansatz für den Abend mit Anne Will war einfach daneben, und daran änderten auch ihre Gäste nichts. mehr…

„Der Hitzkopf in Frank-Walter“ – Christoph Twickel schreibt in SPIEGEL ONLINE: Bei Anne Will suchten die Gäste nach Herausforderungen für den neuen Bundespräsidenten – und fanden sie im Rechtspopulismus. Die Runde bestand jedoch aus erprobten Dauertalkern und blieb wenig originell. Immerhin: Der interessanteste Schlagabtausch der Show fand zwischen den beiden Nicht-Politprofis statt: Poschardt stellte die Frage, ob „dieses Marginalisieren und Denunzieren“ die Rechtspopulisten nicht bloß stärker mache. Intendantin Langhoff hielt ihm entgegen: „Marginalisieren und Denunzieren sind die beiden Hauptformate dieser Parteien.“ Stimmt natürlich beides irgendwie – also einigte man sich in der Mitte, dem heiligen Gysi sei Dank: „An die richtigen Rassisten kommste sowieso nicht ran“, verkündete der ehemalige Linke-Chef. „Aber an die anderen schon.“ mehr…

Gysis Wunsch: „Bitte jeden Monat eine Backpfeife!“ – Ernst Elitz für BILD: Gauck zieht um, Steinmeier zieht ein. Mieterwechsel im Schloss Bellevue. Noch packt der Mann die Umzugskartons, schon sind die Steinmeier-Deuter dran. Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär. Die CSU hinderte Merkel daran, den Grünen Winfried Kretschmann zu nominieren. Ulf Poschardt, Chefredakteur der „WeltN24“, trauert Gauck, dem kunstvollen Redner, nach: im „Trümmerfeld“ der politischen Sprache brachte er die „Worte zum Leuchten“. Hannelore Kraft, SPD, NRW-Ministerpräsidentin, nimmt Steinmeier schon vorab in Schutz: „Steinmeier braucht keinerlei Ratschläge.“ Shermin Langhoff, Theater-Intendantin in Berlin, schüttelt sich immer noch, dass sie als Wahlfrau in der Bundesversammlung „zusammen mit Faschisten wählen“ musste, und meint die AfD. Gregor Gysi, Die Linke, prägte das Bonmot: „Wenn man hier nicht nur redet, sondern auch etwas sagt, vergeht die Zeit schnell.“ mehr…

„In stürmischen Zeiten braucht es einen erfahrenen Bundespräsidenten, der dem Land vorsteht. Frank-Walter Steinmeier hat dieses Format“, kommmentiert Julian Vetten in n-tv. Der Einzige, der generelle Skepsis anmeldet, ist der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken: Persönlich ziehe er seinen Hut vor Steinmeiers Bedachtheit, aber „vielleicht müssen wir auch mal drüber nachdenken, eine Künstlerin oder einen Journalisten ins Amt zu wählen, kurzum: Wir dürfen nicht immer nur in unserer eigenen Soße herumschwimmen.“ Keine Werbestunde für unsere Demokratie ist dagegen der Wahlkampfmodus, in den die drei Berufspolitiker schon nach kurzer Zeit schalten. Vor allem CSU-Mann Scheuer kann es nicht lassen, immer wieder Spitzen Richtung SPD zu schicken. „Wollen wir statt über die AfD nicht lieber noch ein bisschen über unseren neuen Bundespräsidenten sprechen?“, stellt Kraft gegen Ende der Sendung die richtige Frage. Kurzes Schweigen, dann ein zögerliches Nicken aller Beteiligten. Aber da hat die AfD die Sendezeit mal wieder aufgefressen. mehr…

„Magisches Denken statt politischer Analyse“ – Frank Lübberding in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung/FAZ.net. An einen Bundespräsidenten werden viele sich widersprechende Erwartungen formuliert. So auch nach der Wahl Frank-Walter Steinmeiers. So diskutierte man nicht nur bei Anne Will über das zukünftige Thema Steinmeiers. Ob es das „Mut machen“ aus seiner Dankesrede nach der Wahl sein könnte, oder die von ihm in Interviews gestellte Frage nach dem „Kitt, der diese Gesellschaft noch zusammenhält.“ Die Parteien (und dazu gehört auch die AfD) wissen offensichtlich selbst noch nicht, wie es nach dem 24. September mit diesem Land politisch weitergehen soll. Aber dafür wird Frank-Walter Steinmeier sicherlich ein guter Bundespräsident werden. Darin waren sich immerhin gestern Abend fast alle einig. mehr…

Weblink: @AnneWillTalk

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