Wahl des 12. Bundespräsidenten: Eröffnungsrede von Norbert Lammert

Lammert nutzte seine Rede auch für eine eindringliche Warnung an US-Präsident Donald Trump, die internationalen Beziehungen nicht zu gefährden.

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Bundestagspräsident Lammert hat die Parteien aufgefordert, sich für Europa stark zu machen. Wenn weder der russische noch der US-Präsident Interesse an einem starken Europa zeige, „ist dies ein zusätzliches Indiz dafür, dass wir selbst dieses Interesse an einem starken Europa haben müssen“, sagte Lammert. 

Lammert hatte Gauck vor der Abstimmung gedankt. Gauck sei es „auf überzeugende Art und Weise“ gelungen, sich für das Gemeinwesen einzusetzen, sagte er. Die Mitglieder der Bundesversammlung erhoben sich und applaudierten dem sichtlich gerührten Gauck. Lediglich Wahlleute der AfD und der Linken blieben sitzen, darunter der AfD-Kandidat Albrecht Glaser, wie Reporter berichteten. 

Lammert nutzte seine Rede auch für eine eindringliche Warnung an US-Präsident Donald Trump, die internationalen Beziehungen nicht zu gefährden.

„Wer Abschottung anstelle von Weltoffenheit fordert und sich sprichwörtlich einmauert, wer statt auf Freihandel auf Protektionismus setzt und gegenüber dem Zusammenarbeiten der Staaten Isolationalismus predigt, wer damit zum Programm erklärt: Wir zuerst!, darf sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleichtun – mit allen fatalen Nebenwirkungen für die internationalen Beziehungen, die uns aus dem 20. Jahrhundert bekannt sind.“

In einer spontanen Reaktion erhob sich ein Großteil der mehr als 1200 Mitglieder der Bundesversammlung und applaudierte Lammert stehend, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel. Lammert sagte, nicht etwa die Werte des Westens stünden in Frage, „wohl aber unsere Haltung – zu Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und den Prinzipien der repräsentativen Demokratie“. Herausforderungen wie die Migrationsströme oder der Kampf gegen Terrorismus und Klimawandel könnten nicht von Nationalstaaten allein bewältigt werden. 

„Die wirklich großen Herausforderungen können unter den Bedingungen der Globalisierung allesamt nicht mehr von Nationalstaaten allein bewältigt werden, nicht in der Finanzwelt, nicht im Umgang mit den weltweiten Migrationsströmen, nicht im Kampf gegen den Terror oder gegen den Klimawandel. Das gilt gewiss für jedes einzelne Land in Europa, ebenso aber auch für unser großes Partnerland jenseits des Atlantiks, in dem vor wenigen Wochen ein vom Volk direkt gewähltes Staatsoberhaupt zugleich die Regierungsverantwortung übernommen hat. Jeder Versuch, diese Herausforderungen je einzeln zu bewältigen, schafft mindestens so viele neue Probleme, wie damit angeblich gelöst würden.“

Rede von Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert zur Eröffnung der Bundesversammlung in vollem Wortlaut  →

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