Angela Merkel und Horst Seehofer – „Gemeinsam ohne Schwung“

Räumlich sei Angela Merkel der Schwesterpartei CSU näher gekommen, beim Thema Obergrenze aber nicht, meint Tina Hassel vom ARD-Hauptstadtstudio in der tagesschau.

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Die momentane Euphorie um die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz für die SPD setzt CDU/CSU sieben Monate vor der Bundestagswahl unter Druck und zwingt zur Versöhnung. Demonstrativ einträchtig zeigen sich die zerstrittenen Unionschefs Angela Merkel und Horst Seehofer. „Ich bin ganz sicher, in diesen Zeiten kommt es auf die beiden Volksparteien CDU und CSU an, die sehr viel mehr Gemeinsames haben, als das, was unterschiedlich beantwortet wird“, sagte die Kanzlerin und CDU-Chefin zu Beginn der Präsidiumssitzung in München. Pressestimmen.

„Union der Angst“ – für Spiegel Online kommentiert Philipp Wittrock. Die CSU unterstützt jetzt Angela Merkel – nur von Aufbruchstimmung ist nichts zu spüren. In Zeiten des Schulz-Hypes wirkt die Friedensshow der Union verzweifelt. Die Nervosität aber dürfte mit jedem Tag steigen, an dem sich der Positivtrend für die Sozialdemokraten verstetigt. Dann übrigens könnte auch der CDU/CSU-Frieden von München rasch hinfällig sein. Horst Seehofer ist nicht dafür bekannt, bröckelnden Umfragewerten lange schweigend zuzusehen. Der Wahlkampf werde der „schwierigste, den ich je erlebt habe“, hat Merkel jetzt noch einmal bekräftigt. Die Einschätzung ist und bleibt richtig. Nur braucht die Kanzlerin so langsam eine Strategie, wie sie ihn bestehen will. mehr…

„Die große Einheitsshow“ – Merkel und Seehofer bemühten sich redlich, das Mäntelchen der Einigkeit auszubreiten. Glaubwürdig ist das aber nicht, meint Martin Mair, tagesschau.de. In Wahrheit aber herrschen eben weder Frieden noch Harmonie, sondern nur die Einsicht: Wenn wir uns jetzt nicht zusammenreißen, bekommen wir im Wahlkampf ein echtes Problem. Der plötzliche Höhenflug der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz hat die Union aufgeschreckt. Auch deshalb rückt sie jetzt enger zusammen. Auch deshalb versuchen Merkel und Seehofer krampfhaft, sich als einträchtiges Duo zu verkaufen. Das wirkt einigermaßen gequält und angestrengt. Ob sie damit zweifelnde konservative Wähler überzeugen können, ist fraglich. Der selbst verordnete Frieden ist brüchig. Keine guten Voraussetzungen für einen Wahlkampf, der gerade erst begonnen hat. mehr…

„Wir haben’s uns wahrlich nicht leicht gemacht“ – Dominik Fürst, Süddeutsche Zeitung/SZ.de. Der Himmel über München strahlt ausnahmsweise nicht weiß und blau, als Horst Seehofer und Angela Merkel am Montagnachmittag gemeinsam vor die Presse treten. Ein tristes Grau hat die Stadt und das Zukunftstreffen der Unionsparteien eingehüllt, und daran kann selbst der CSU-Chef nichts ändern, obwohl seine Botschaft doch eine positive sein soll: CDU-Chefin Merkel ist einmal mehr die gemeinsame Kanzlerkandidatin. „Neugier aufs Neue“: So formuliert Merkel vorsichtig, was sie sich neben den bekannten konservativen Werten fürs Wahljahr vornehmen möchte. „Ich glaube, der Blick in die Zukunft lohnt sich“, sagt sie. Richtig überzeugend klingt es nicht. Das Neue kommt in diesen Tagen ohnehin nicht aus München und nicht aus Berlin. Es kommt aus Würselen, einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen. mehr…

„Das große Säuseln“ – Als wäre nie was gewesen: Die Darsteller des Unions-Theaters beherrschen ihre Rolle perfekt. Doch der Streit um die Obergrenze könnte im Wahlkampf zur Belastung werden meint Ferdinand Otto, ZEIT ONLINE. „Diesen Dissens haben wir beschlossen zu respektieren und nicht zuzukleistern“, hält Merkel fest. „Da haben wir unterschiedliche Auffassungen“, sagt Seehofer. Zu seiner Aussage, keinen Koalitionsvertrag ohne Obergrenze zu unterschreiben, stehe er weiter. Das heißt im Klartext: Wenn die Union die Wahl gewinnt, wird einer von beiden sein Wahlversprechen brechen müssen. mehr…

„Gemüt gegen Verstand“ – Berthold Kohler, Frankfurter Allgemeine Zeitung/FAZ.net. Keine Experimente – die Union und ihre Kandidatin Angela Merkel könnten mit einem alten Adenauer-Slogan in den Wahlkampf ziehen. Martin Schulz aber hat Gaben, die der Kanzlerin fehlen. Der Geschwisterstreit über die Obergrenze wird vertagt, bis der gemeinsame Gegner geschlagen ist, der plötzlich und unerwartet kräftig am Zaun des Kanzleramts rüttelt. Es ist nicht ausgemacht, dass der Höhenflug des Kometen Schulz bis zum Herbst anhält; die SPD fand noch immer Wege, ihre Kandidaten auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Doch wer wollte darauf wetten, dass allein in der SPD alles so bleibt wie bisher? Seit Merkel schlagbar erscheint, zieht ein Hauch von Wechselstimmung durchs Land. mehr…

„Das Dilemma der CSU“ – Stefan Reinecke, taz.de. In der Union herrscht Harmonie. Denn mit Martin Schulz ist vorstellbar geworden, was lange undenkbar war: eine Regierung ohne CDU/CSU. Die CSU steht vor einem strategischen Dilemma. Soll man plötzlich zum loyalen Merkel-Fan werden – oder, ausgerechnet im Wahlkampf, weiter den Springteufel spielen? Der Versuch, einfach beides zu tun, ist nicht aussichtsreich. Bei der Europawahl 2014 scheiterte die CSU mit dem Plan, gleichzeitig seriös und rechtspopulistisch aufzutreten – und verlor in der Mitte und am Rand. Das kann noch interessant werden. mehr…

„Kein Aufbruch, keine Begeisterung“ – Cordula Tutt, Wirtschafts Woche. Jetzt ziehen sie also los, Angela Merkel und Horst Seehofer. In einen Wahlkampf, der schmutziger und schwieriger werden wird als die vorigen. Mehr Parteien und mehr Populisten treten an als früher, soziale Medien mit all ihrer Aufgeregtheit und Manipulationsmacht werden wichtiger. So schlecht das Bild der Union grade ist, so ist doch eine Folge davon positiv. Wenn Wähler denken, dass nicht nur die unausweichliche Kanzlerin Merkel zur Wahl steht, sondern auch ein Herausforderer eine Chance hat, wird es wieder spannend. Nur jenseits der schwarz-roten, „großen“ Koalition hat die Demokratie langfristig Bestand. mehr…

„Eine Frage offenbart das große Problem zwischen Seehofer und Merkel“, schreibt Thomas Vitzthum in der Welt/N 24. Das „Zukunftstreffen“ zwischen den Spitzen der Unionsparteien in München sollte ein Signal des Aufbruchs sein. Es sollte Streit vergraben, Perspektiven eröffnen und die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund rücken. Doch abschließend sitzen zwei Personen auf der Bühne, die wie die missgelaunten Chefs zweier sehr unterschiedlicher Parteien wirken, die Tag und Nacht gerungen haben, um sich endlich durchzuringen, eine Koalition einzugehen. Keine Liebesheirat. Eine Pflichtehe. mehr…

„Gemeinsam ohne Schwung“ – Michael Watzke, Deutschlandfunk. Angela Merkel hat lange gebraucht, bis sie sich zu einer erneuten Kandidatur durchringen konnte. Die CSU hat noch länger gebraucht, die Kanzlerin zu unterstützen. Jetzt braucht es eine Kandidatin, die zeigt, dass sie will. Die überzeugend erklärt, warum Deutschland mit ihr noch immer am besten fährt. Und einen CSU-Chef, der Disziplin wahrt und den möglichen Erfolg weder mit Eitelkeit noch mit Unbeherrschtheit gefährdet. mehr…

17 Monate lang feuerte Horst Seehofer gegen Angela Merkel. Das Verhältnis von CDU und CSU war zerrüttet, Trennung nicht ausgeschlossen. Und nun: Schnee von gestern? Alles gut? Sabine Kinkartz (Deutsche Welle) glaubt das nicht. Jetzt plötzlich raspelt der CSU-Vorsitzende Süßholz. Er freue sich darauf, mit Angela Merkel als Kanzlerkandidatin in Wahlkampf zu ziehen, säuselt Seehofer nach der gemeinsamen Sitzung der Schwesterparteien in München. Er freue sich auch auf Wahlkampfauftritte mit der CDU-Vorsitzenden in Bayern und lade sie ausdrücklich ein. Er gibt sich verbindlich, zugewandt, charmant, er lächelt – der Heuchler! Angela Merkel glaubt ihm nicht. Sie weiß genau, dass Seehofers freundliches Lächeln nur Fassade ist. Der Wolf hat Kreide gefressen, weil ihm nichts anders übrig bleibt, will er bei den Wahlen nicht ein Desaster herauf beschwören. mehr…

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