Ein starker Auflagenschwund sorgte bei der dänischen Tageszeitung "Fyens Stiftstidende" zu einem Umdenken. Das NDR-Medienmagazin ZAPP berichtet darüber, wie die Zeitung es geschafft hat, wieder eine wachsende Reichweite zu haben.

Ein starker Auflagenschwund sorgte bei der dänischen Tageszeitung „Fyens Stiftstidende“ zu einem Umdenken.  Das NDR-Medienmagazin ZAPP berichtet darüber, wie die Zeitung es geschafft hat, wieder eine wachsende Reichweite zu haben. Aus Beobachtern sind Aktivisten geworden. „Wir müssen heute anders auf die Menschen zu gehen“, sagt im Film die Chef-Entwicklerin, Gerd Maria May.  

„Vor drei Jahren haben wir allen gesagt, euer Job hat sich geändert. Als ihr heute zur Arbeit gekommen seid, war es eure Aufgabe eine sehr gute Story zu liefern. Ab morgen ist es eure Aufgabe, eine sehr gute Story zu liefern und dafür zu sorgen, dass sie jemand liest.“

Am Vorabend war Ivar Juel Nordentoft und seine Kollegen  als Journalisten und Veranstalter beim „Café Stiften“. Geladen war ein Holocaust-Überlebender, um über seine Jugend im Ort zu berichten.  Das Publikum war begeistert.

Um die sinkende Auflage zu stoppen, gehen die Journalisten von „Fyens Stiftstidende“ nicht nur auf die Leser zu, sie sind auch von Beobachtern zu Aktivisten geworden. So wollen sie den Auflagenschwund stoppen.  Sie schreiben nicht mehr nur Artikel – etwa über ihre Leserabende – sondern fahren auch Kampagnen.

Ein Beispiel: „Brücken-Maut – nein Danke.“ Mit Facebook-Auftritten, Stickern und Artikeln kämpfte die Zeitung gemeinsam mit ihren Lesern gegen eine Brücken-Maut nach Kopenhagen. „Viele Medienmacher denken, dass wir damit zu weit gegangen sind“, sagt Zeitungsentwicklerin Gerd Maria May, „aber wir verstehen es als unsere Aufgabe, diese Gemeinde lebenswert zu machen.

Unsere Leser sollen wissen was los ist. So, dass sie ihre Stimmen erheben können, wenn sie denken, dass etwas nicht okay ist.

Das ist Journalismus. Eine funktionierende Demokratie sicher zu stellen. Und eine Gesellschaft, die für die Menschen da ist. “

Der Bericht über die Leser-Aktion vom Vorabend ist dann doch etwas zu lang geworden. 8000 Zeichen. Dafür wird Platz gemacht. 

Gerd Maria May meint „Gesellschaft findet im Lokalen statt. Dort, wo die Menschen leben.“ Vielleicht hat das Umdenken auch dazu geführt, dass im dänischen Odense die Druckerpressen noch laufen? Im vergangenen Halbjahr ist die Reichweite der „Fyens Stiftstidende“ gewachsen. Um 2.1 Prozent.

Fyens Stiftstidende – Dänische Tageszeitung
„Fyens Stiftstidende“ ist eine dänische regionale Tageszeitung mit Sitz in Odense. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst die Insel Fünen und das südfünische Inselmeer. Die ursprünglich konservativ ausgerichtete Zeitung erklärte sich 1975 für parteipolitisch unabhängig, aber bürgerlich. Während 1988 noch 72.300 Exemplare täglich verkauft wurden, ging die Auflage im ersten Halbjahr 2010 auf rund 47.400 Stück zurück. Die gemeinsame Sonntagsausgabe der „Fyens Stiftstidende“ und der „Fyns Amts Avis“ erreichte im gleichen Zeitraum eine wöchentliche Auflage von 67.944 Exemplaren. Quelle: Wikipedia

 

Medienmagazin ZAPP/NDR: „Dänisches Projekt – Journalisten mit Mission.“ – Journalisten sollen Beobachter sein, neutral berichten. Die Zeitung „Fyens Stiftstidende“ geht andere Wege. Sie sammelt Themen aus der Leserschaft und ergreift Partei für die Region. ZAPP, am 23.11.2016. Autor: Daniel Schmidthäussle, Kamera/Schnitt. Jonas Jung. → www.ndr.de

Knut Kuckel

Journalist + Online-Publizist. Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestfunk (SWF), Baden-Baden, heute Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
Follow @journalistblog

Alle Beiträge

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Netzwerk

Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen...

Aktuell

Timeline

Gerne gelesen

Google +