Das sind "Meinungsstarke Denkanstöße in unruhigen Zeiten", findet Ulrike Bosse von NDR Info. "Und das ist erst der Anfang - Deutschland und die Flüchtling." Das Buch von Anja Reschke (Hg.) ist Ende des vergangenen Jahres erschienen und doch gerade jetzt so aktuell wie nie. Knapp 30 Artikel sind darin zu lesen, verfasst von Autorinnen und Autoren, die sich seit Jahren mit Flucht und Vertreibung, Asyl und Integration beschäftigen.

Das sind „Meinungsstarke Denkanstöße in unruhigen Zeiten“, findet Ulrike Bosse von NDR Info. „Und das ist erst der Anfang – Deutschland und die Flüchtling.“ Das Buch von Anja Reschke (Hg.) ist Ende des vergangenen Jahres erschienen und doch gerade jetzt so aktuell wie nie. 

Knapp 30 Artikel sind darin zu lesen, verfasst von Autorinnen und Autoren, die sich seit Jahren mit Flucht und Vertreibung, Asyl und Integration beschäftigen.

Die Beiträge reichen von persönlichen Erzählungen, wie eine Flucht abgelaufen ist oder was sie bedeutet, über die Reportage einer Rettungsmission im Mittelmeer und Beschreibungen der Fluchtgründe bis hin zu Analysen dessen, was die Fluchtbewegung für Deutschland und Europa bedeutet und Vorschlägen, wie eine gute Flüchtlingspolitik aussehen soll.

„Das ist der Anfang vom Ende, vom Niedergang, von der Abschaffung Deutschlands, wie es die vielzitierten »besorgten Bürger« in ihren Kommentaren, ihren Mails, die mich täglich erreichen, aber auch auf ihren Demonstrationen jeden Montag in Dresden lauthals bekunden.“

Als sich NDR Moderatorin Anja Reschke im August in einem Kommentar der ARD Tagesthemen gegen die zunehmende Flüchtlingshetze im Internet wandte, traf sie offenbar einen Nerv. Jeder müsse jetzt Haltung zeigen, meint Anja Reschke. Der von der Panorama- und Zapp-Moderatorin Anja Reschke herausgegebene Sammelband „Und das ist erst der Anfang“ bietet Orientierung und Hintergrundwissen zu einer Entwicklung, die wie keine andere das Leben im 21. Jahrhundert prägen wird.

Heribert Prantl schreibt: „Dieses Europa erstickt nicht, wenn es Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufnimmt. Dieses Europa erstickt, wenn es sie nicht aufnimmt. Es erstickt dann an seinem Geiz, an seinen nationalen Egomanien und an seiner Heuchelei. Jetzt muss sich zeigen, was die europäischen Grundrechte wirklich wert sind.“

Ambrose, 26, Nigeria: „Ich war glücklich, als ich deutschen Boden betrat.“

Im Mittelteil des Buches werden Flüchtlinge gezeigt. Sie kommen u.a. aus Syrien, dem Iran, Mali, Nigeria, dem Kosovo, Afghanistan oder Somalia. Diese und andere Fotos im Buch sind von Andrey Isakovic/Staff/Getty Images.

„Was ist der Unterschied zwischen mir und denen?“ – Jawad war vier Jahre alt, als er mit seinen Eltern aus Afghanistan flüchtete. Inzwischen lebt er in Hamburg. Er hat seine Geschichte aufgeschrieben. „Ich hatte keine Lust mehr zu leben. Glücklicherweise traf ich einen Freund auf der Straße, und er nahm mich zu sich nach Hause.“

Die persönlichen Erlebnisse der unterschiedlichsten Flüchtlinge berühren. „Ich war Student“, erzählt der 37jährige Sissoko aus Mali. „Dann starb mein Vater, und ich musste mich um meine Mutter und meinen Bruder kümmern. Dann kamen die Tuareg und haben das Gebiet Azawad, auf dem wir lebten, besetzt.“

„Die Flüchtlinge erteilen uns eine Lektion“, schreibt die Journalistin, Schriftstellerin und Publizistin Daniel Dahn. „Es war eine Lebenslüge zu glauben, ein kleiner Teil der Welt könne auf Dauer in Frieden und Wohlstand leben, während ein Großteil in Armut und Bürgerkriegen versinkt.“ Seit 200 Jahren habe kein muslimisches Land Krieg gegen den Westen geführt, umgekehrt habe es jede Menge Invasionen gegeben, oft unter Federführung der USA bzw. des CIA. „Wenn Europa weniger Flüchtlinge haben will, muss es sein Verhältnis zu den USA überdenken.“

Die Politikwissenschaftlerin, freie Journalistin und Nahostexpertin Kristin Helberg, sieht in Syrien, ein Land in Auflösung. „Vor Ausbruch der syrischen Revolution im Frühjahr 2011 lebten in Syrien 22 Millionen Menschen. Von diesen befinden sich mittlerweile zwölf Millionen Menschen auf der Flucht, die allermeisten innerhalb des Landes. Etwa 7,6 Millionen irren in Syrien selbst auf der Such nach Sicherheit umher.“Helbergs Fazit: „Fast fünf Jahre lang lassen wir die Syrier nun schon im Stich – politisch, militärisch und humanität. Das Mindestes, was wir für sie tun können, wäre, ihnen einen legalen und sicheren Weg nach Europa zu eröffnen.“

Anja Reschke: „Lange haben wir Deutschen den Nachrichten aus aller Welt im bequemen Sessel gesehen. Den Berichten über Hunger, Umweltkatastrophen, über Despoten, über Ausgrenzung, Bürgerkriege, Zerstörung, Vertreigung. Wir waren berührt, wenn ein Schiff mit Hunderten Flüchtlingen im Mittelmeer unterging: wir waren entsetzt, wenn wir hörten, dass der syrische Machthaber Assad Fassbomben auf sein eigenen Volk warf. Die Frauen und Kinder, die weinten in unseren Fernsehern, taten uns leid, aber wir hatten nichts damit zu tun. Denn all das war weit weg.“

„Im Mittelmeer ertranken 2015 bereits mehr als 2000 Flüchtlinge, in Österreich erstickten 71 Menschen qualvoll in einem LKW, darunter vier Kinder. In Budapest stürmen Migranten aus Syrien Züge nach Deutschland und in der französischen Hafenstadt Calais vegetierten Tausende unter Zeltplanen dahin – ohne Strom und Wasser.“ – Peter Müller ist Korrespondent für den Spiegel in Brüssel. Er klagt an: „Die EU und die Flüchtlinge“, das sei „organisierte Verantwortungslosigkeit.

60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Ein kleiner Prozentsatz davon macht sich auf den gefährlichen Weg nach Europa. Mehr als 800.000 Menschen sind 2015 nach Deutschland geflohen. Warum sie kommen und was das für unsere Gesellschaft bedeutet, beschreibt das Buch von Anja Reschke.

Für jedes verkaufte Buch geht ein Euro an die Flüchtlingshilfe.

Und das ist erst der Anfang. Deutschland und die Flüchtlinge von Anja Reschke (Hg.), Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Dezember 2015. Umschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie, Zürich. Foto: Media @journalistblog

Und das ist erst der Anfang. Deutschland und die Flüchtlinge von Anja Reschke (Hg.)
336 Seiten, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Dezember 2015
Bestellnummer: 978-3499631849
Preis: 12,99 €

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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