„Ein Heer von Journalistinnen und Journalisten schreibt frei und lebt dabei prekär“, schreibt Nina Marie Bust-Bartels. Als Freie mit wenig Aussichten auf anständige Bezahlung macht sie sich für ihre Gastredaktion mit ihrem Beitrag „Die Journalistin ist frei geboren“ Gedanken über die eigene Zukunft und die des Journalismus: „Ich habe drei Fächer an vier Unis studiert, unter anderem Mathematik, habe ein Volontariat und Praktika in neun Redaktionen hinter mir. Aber wenn das Konto leer ist, hilft auch ein sexy Lebenslauf nichts.“ 

Der Beitrag von Nina Marie Bust-Bartels dürfte Wasser auf die Mühlen derer sein, die schon lange dem „Niedergang des Journalismus“ das Wort reden. „Prekäre Löhne für Schreibende können sich auch ganz direkt auf die Qualität auswirken. Dann nämlich, wenn beim Recherchieren, Denken, Formulieren ganz hinten im Kopf dieser kleine Rechner anfängt, den Stundenlohn auszurechnen. Einmal unter den Mindestlohn gesunken, kommt der Pragmatismus – oder die Selbstausbeutung.“

Zukunftsangst ist ein schlechter Ratgeber. Diese Anmerkung geht auch an die Adresse der „Evangelischen Journalistenschule“ in Berlin. Die 22-monatige Ausbildung soll den Bedingungen eines journalistischen Volontariates entsprechen. Was ist das bitte für ein „Volontariat“, das ihren Volos zum Auftakt wenig Hoffnung auf eine berufliche Zukunft machen kann? Zitat: „In meinem Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule bekam jede und jeder eine Bibel mit auf den Weg in das JournalistInnenleben. Sie kam nicht von Gott, sondern von den Freischreibern, dem Verband freier Journalisten. Die Freienbibel.“

Obwohl der Berufsverband „Freischreiber“ durchaus Mut macht, „…mal etwas Neues auszuprobieren . […] Es gab nie einen besseren Zeitpunkt, Trampelpfade fernab des traditionellen Journalismus zu erkunden. Der freie Journalismus wird gerade neu erfunden. “

Eine ganze Branche schreibt sich in eine depressive Stimmung, schreibt Michael Haller („Brauchen wir Zeitungen“). Warum eigentlich? Krisenhysterie bringt uns nicht weiter. Schauen wir nach vorne.

Ja, es ist wahr, viele Journalistinnen und Journalisten fragen sich aktuell, welche Zukunft ihnen dieser Beruf noch bieten kann. Andere sammeln „Best-Practice-Beispiele“, um Wege in eine neue Zukunft des Journalismus aufzuzeigen.

Die Medien befinden sich im Wandel. So auch sämtliche Organisationsstrukturen, wie das Redaktionsmanagement, die Nachrichten- und/oder Planungsredaktionen. Der journalistische Alltag ist längst multimedial. Eine Nachrichtenredaktion produziert mehrmediale Angebote. Beim aktuellen Fernsehen gewinnt beispielsweise der Zuschauer-Dialog an Bedeutung, neue Arbeitsabläufe (Workflows) verändern das Berufsbild des Redakteurs mit journalistischen Aufgaben. Journalisten „bloggen“, kommunizieren mit Mediennutzern. Medienblogs bestimmen ein neues Genre. Der Journalismus im digitalen Zeitalter unterliegt einem ständigen Wandel, auch in der Bewertung zwischen Quantität und Qualität. Das ist eine Herausforderung an Journalisten.

Neue Visualisierungsmöglichkeiten entbinden die Journalistin, den Journalisten nicht von klassischen Methoden der Recherche. Dazu gehören Telefon und persönliche Begegnungen mit Informanten ebenso wie Dokumentation und Faktendimensionierung.

Abgesehen von Themenfindung und Themenbearbeitung gibt es nach wie vor die journalistischen Darstellungsformen der Nachricht, des Interviews, der Reportage, des Kommentars oder des Porträts. Dabei bleibt auch im neuen Journalismus Überparteilichkeit das Ideal. Journalisten verstehen sich in ihrer überwiegenden Mehrheit als neutrale Informationsvermittler.

Auch wenn der wirtschaftliche Druck auf Medien und Journalisten zunimmt, können sich auch „Freie“ noch guten Journalismus leisten. Sie sollten ihn sich leisten. Qualität hat sich immer durchgesetzt.

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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