Die ARD-Korrespondentin Annette Dittert (@annettedittert) twitterte gestern Abend, zur Fernseh-Primetime aus London: Am #Maidan geht die Post ab. Und im deutschen Fernsehen herrscht Funkstille.

Die ARD-Korrespondentin Annette Dittert (@annettedittert) twitterte gestern Abend, zur Fernseh-Primetime aus London: Am #Maidan geht die Post ab. Und im deutschen Fernsehen herrscht Funkstille. Der Samstag, 22. Februar 2014 ist schon Teil der Zeitgeschichte. Nach drei Monaten wurde der Machtkampf in der Ukraine zwischen Oppositionellen und Regierung im Eiltempo vorläufig beendet.

Also @FRANCE24 @CNN. NDR-Journalisten Julia Stein (@Jul_Stein): Ein Glück eine Extra-Ausgabe! „@tagesthemen: Julia Timoschenko ist zurück auf dem Maidan: Wir schalten um 22.00 Uhr nach Kiew.“ RT der ARD-Fernsehjournalistin und künftigen WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich ‏(@SoniaMikich)(@Jul_Stein) (@tagesthemen): Wurde auch Zeit. Wer hat Geduld für Donna Leon? – Eine Stunde später:  Sonia Mikich ‏@SoniaMikich #maidan golineh (@GolinehAtai) und udo (Udo Lielischkies @ULielischkies): ich beneide euch, dass ihr zur geschichtsschreibung beitragen dürft. das sind sternstunden eines korrespondenten.

Die Live-Blogs meldeten: Ukrainische Oppositionspolitikerin Timoschenko aus der Haft entlassen +++ Parlament erklärt Janukowitsch für abgesetzt und ordnet Neuwahlen an +++ Janukowitsch lehnt Rücktritt ab +++ Russland kritisiert Opposition und fordert Westen zum Eingreifen auf +++.

In der ARD lief „Donna Leon“, beim ZDF „Wetten das“ und das Informationsfernsehen Phoenix.de entführte uns auf eine Entdeckungsreise durch die Wunderwelten der „Wiese“. Während Julija Tymoschenko, sichtbar geschwächt, aus dem Rollstuhl auf dem Maidan in Kiew zu den hoffentlich erfolgreichen Revolutionen sprach, blieb den Interessierten am Geschehen nur Twitter, France 24, CNN oder BBC World. Tiefe Verneigung!

Die Sonderausgabe der Tagesthemen, nach Donna Leon, mit ARD-Korrespondent Udo Lielischkies aus Kiew, währte nur knappe drei bis fünf Minuten. Dann langweilte uns Mankells Wallander. Nach den Tagesthemen kam ein Olympia Spezial. Bis dahin reichte man den geplagten Fernsehzuschauern Nachrichten und Bilder aus Kiew via Tröpfcheninfusion. Einschlafen konnte man dann zum unkommentierten Livestream der tageschau aus Kiew. Überwiegend schlechte Standbilder. Die Sprache der Redner aus dem Off: Ukrainisch. Sporadisch starker Jubel und gelegentlich die Nationalhymne „Schtsche ne wmerla Ukrajiny“ (Ще не вмерла України).

Fairerweise sei angemerkt, das die deutschsprachigen Nachrichten-Fernsehformate n-tv und N24 auch ihre geplanten Schubladen-Dokumentationen mit den üblichen Werbeunterbrechungen sendeten. Das German Television verschlief weitgehend Geschichte.

Am Sonntag danach lesen wir, was wir schon gestern Abend gerne – so oder so – erfahren hätten. Für tagesschau.de kommentiert beispielsweise Stephan Stuchlik vom WDR: „Dies ist ein historischer Tag. Präsident Janukowitsch ist gestürzt, das Volk hat die Macht übernommen. Und: Es muss ein Ende sein mit einem Blockdenken, dass immer noch aus den Zeiten des kalten Krieges stammt, das sei sowohl in Richtung Brüssel als auch in Richtung Moskau gesagt. Wer die Ukraine entweder ganz in die EU oder ganz nach Russland bugsieren will, zerreißt das Land, mit unabsehbaren Folgen für alle.“

heute.de : Ukraine vor Neuanfang – Timoschenko will Proteste fortsetzen. „Verlasst den Maidan nicht, solange Ihr nicht erreicht habt, was Ihr wolltet“, rief Timoschenko am Samstagabend auf dem Unabhängigkeitsplatz in der ukrainischen Hauptstadt rund 50.000 Menschen zu. „Wenn euch jemand sagt, dass es zu Ende ist und Ihr nach Hause gehen könnt, glaubt ihm kein Wort“, rief Timoschenko. „Ihr müsst die Arbeit beenden.“

Phoenix.de: Janukowitsch abgesetzt – Neuwahlen im Mai. „Das ukrainische Parlament hat Präsident Viktor Janukowitsch für abgesetzt erklärt und Neuwahlen für den 25. Mai angeordnet. Der Staatschef übe sein Amt nicht aus und habe sich widerrechtlich Vollmachten angeeignet, erklärten die Abgeordneten. 328 Abgeordnete stimmten für den Beschluss. Das Fernsehen übertrug die Entscheidung live.“

 

Der ARD-Presseclub überschrieb die Sendung „Umsturz in Kiew – wie geht es in der Ukraine weiter?“. Gäste von Jörg Schönenborn waren Alice Bota (Die Zeit), Christian Neef (Der Spiegel), Julia Smirnova (Die Welt) und Christoph von Marschall (Der Tagespiegel). Live zugeschaltet wurden die ARD-Korrespondenten Golineh Atai aus Kiew und Ulrich Adrian aus Lemberg.
Sendung verpasst? → Das Erste/Mediathek

 

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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2 Kommentare

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  • Während Julija Tymoschenko, sichtbar geschwächt, aus dem Rollstuhl auf dem Maidan in Kiew zu den hoffentlich erfolgreichen Revolutionen sprach, blieb den Interessierten am Geschehen nur Twitter, France 24, CNN oder BBC World.<< – Was war denn mit tagesschau24?

    • Das kann ich nicht seriös beantworten, aber wann immer ich reingeschaltet habe – zwischen 20 und 23 Uhr – kamen Regionalangebote und/oder Dokumentationen. Tagesschau wohl immer gleichzeitig, wie üblich.

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