“Mein Buch ist draußen, die ersten Menschen sind am Lesen und als Autorin hat man natürlich Bammel, wie das Feedback so ist”, schreibt die Netz-Aktivistin Anke Domscheit-Berg in ihrer Blog-Post. Bis heute schöpft sie ihre Kraft aus dem Untergang der DDR: “Der Mauerfall ist die endlose Energiequelle, die mich immer antreiben wird”, sagte sie in einem Gespräch mit der Wochenzeitung “Die Zeit“.

Das Politische Buch: “Mein Buch ist draußen, die ersten Menschen sind am Lesen und als Autorin hat man natürlich Bammel, wie das Feedback so ist”, schreibt die Netz-Aktivistin Anke Domscheit-Berg in ihrer Blog-Post. Bis heute schöpft sie ihre Kraft aus dem Untergang der DDR: “Der Mauerfall ist die endlose Energiequelle, die mich immer antreiben wird”, sagte sie in einem Gespräch mit der Wochenzeitung “Die Zeit“. 

“Wenn diese Mauer fallen konnte, kann im Prinzip alles gelingen”, ergänzte sie, “mir kann nie wieder einer erzählen, dass irgendetwas nicht gehe.”

“Als wir auf die Straße gingen, hatten wir eine Vision von einer besseren Welt.” Anke Domscheit-Berg kandidiert bei der Europa-Wahl dieses Jahr für die Piraten-Partei. Ihr erstes Buch ist ein Sachbuch der Kategorien »Das Politische Buch/Gesellschaftskritik«: “Mauern einreißen! Weil ich glaube, dass wir die Welt verändern können”.

“Die Originaldokumente finde ich selbst auch am Spannendsten, nehmt Euch ruhig mal die Zeit, das eine oder andere Dokument anzuschauen.”

Anke Domscheit-Berg: “Am Abend des 9. November 1989 malte ich Selbstporträts für das Fach Naturstudium, nebenbei lief das Radio, und zu jeder vollen Stunde kamen die Nachrichten. Bei den Abendnachrichten trocknete mir die Farbe am Pinsel – diese Meldung konnte nicht wahr sein! Eine Stunde später saß ich vor dem Radiorekorder, hatte schon eine Audiokassette eingelegt und drückte auf Aufnahme. Ich wollte einen Beweis dafür, dass die DDR-Nachrichten wirklich von freiem Grenzübertritt für jeden DDR-Bürger gesprochen hatten – nur falls es später mal als Versehen deklariert worden wäre. Diese Aufnahme habe ich später immer wieder angehört.”

Die Autorin wuchs in der DDR auf und begann früh, die Unfreiheit zu hassen. Als Führungskraft und Unternehmerin kämpft sie seit rund 15 Jahren gegen die gläsernen Decken, an die Frauen auf der Karriereleiter nach wie vor stoßen. Als Netzaktivistin setzt sie sich ein für mehr Transparenz und Mitbestimmung in Wirtschaft und Politik. Ihr Buch ist realistisch und optimistisch zugleich und wird alle voranbringen, die von einer solidarischen, freien Gesellschaft ohne Grenzen träumen.

Anke Domscheit-Berg: “Als in Berlin die Mauer fiel, war ich 21 Jahre alt. Ich studierte Textilkunst in Schneeberg/Erzgebirge und wohnte in einem Studentenwohnheim im nahe gelegenen Schlema, das einmal eine Unterkunft für Bergarbeiter des Uranbergbaus der Wismut war.”

Mauern schützen – jedoch nur eine privilegierte Minderheit, zum Beispiel SED-Parteibonzen vor dem Freiheitswillen ihres Volks, Wirtschaftsbosse vor begabten Frauen oder machtbesessene Politiker vor den Interessen ihrer Wähler. Die allermeisten Menschen jedoch haben von jeder Art Begrenzung nur Nachteile. Aber auch die dicksten Bollwerke sind nicht uneinnehmbar, diese Erfahrung hat Anke Domscheit-Berg immer wieder gemacht. Sie hat viel davon zu erzählen, wie man Hindernisse und Barrieren beseitigt: Sie setzt sich ein für eine Zivilgesellschaft, in der Frauen die gleichen Chancen haben wie Männer, in der das Internet dazu dient, Informationen allen Menschen zugänglich zu machen, und in der Politiker und Bürger auf Augenhöhe um zukunftsfähige Lösungen ringen. Ein kämpferisches und leidenschaftliches Buch, das deutlich macht, dass Gerechtigkeit, Transparenz und Solidarität nicht nur politisch, sondern auch (volks-)wirtschaftlich ohne Alternative sind.

Anke Domscheit-Berg: “Viele haben inzwischen vergessen, was wir vor kaum mehr als zwei Jahrzehnten geschafft haben. Ich möchte uns alle wieder daran erinnern, denn immer, wenn uns ein Missstand aufregt und ärgert, wenn wir wütend werden, weil Lobbyismus oder Egoismus die Politik bestimmen, weil unsere Umwelt vor die Hunde geht, der Bildungserfolg unserer Kinder von ihrer Herkunft abhängt, wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht – immer dann sollten wir daran denken, dass auch sehr große Veränderungen möglich sind und nichts, ich meine wirklich NICHTS, so bleiben muss, wie es ist, egal wie stabil es aussieht.”

Dieses Buch wird gelesen. Weil es sich – in einer lebenden Sprache geschrieben – wohltuend von Geschichtsbüchern abhebt. Die Inhalte, auch und besonders die persönlichen Dokumentationen der Autorin, werden auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Wer das Netz lebt, publiziert auch so.

Kurzvita

Anke Domscheit-Berg wurde 1968 in Premnitz (DDR) geboren. Nach Studienabschlüssen in angewandter Textilkunst und Internationaler Betriebswirtschaft hat sie bei Accenture, McKinsey und Microsoft Karriere gemacht und mittlerweile zwei eigene Unternehmen gegründet: fempower.me und opengov.me. Beruflich, politisch und ehrenamtlich setzt sie sich vor allem für die Themenbereiche Open Government, d. h. mehr Transparenz in der Politik und mehr Bürgerbeteiligung, sowie für Geschlechtergerechtigkeit ein. Mit ihrem Ehemann Daniel Domscheit-Berg und ihrem Sohn lebt sie in Fürstenberg/Havel im Norden von Brandenburg.

Quellen:
Anke Domscheit-Berg, Mauern einreißen! Weil ich glaube, dass wir die Welt verändern können, Heyne-Verlag, 22. Januar 2014
Anke Domscheit-Berg, Buchauszug, Die Zeit, 23.01.2014

Weblink:
→ Anke Domscheit-Berg

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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