Von hasserfüllten Postings über Facebook bis hin zur NSA-Affäre: Die Anonymität ist zu einem zentralen Thema des 21. Jahrhunderts geworden. Wann ist die Geheimhaltung der eigenen Identität berechtigt und notwendig? Und wann wird sie als schützender Mantel missbraucht? Zum Thema veröffentlicht die Journalistin Ingrid Brodnig ihr Buch „Der unsichtbare Mensch“. 

Seit jeher, in absoluten Systemen oder Krisenzeiten, kann Anonymität lebensnotwendig sein. Derzeit stellt uns der Balanceakt zwischen dem schützenswerten Recht auf Privatsphäre und dem Bedürfnis nach einem respektvollen Zusammenleben vor neue Herausforderungen.

Gerade im Netz zeigt sich die Schattenseite der Namenlosigkeit, in Onlineforen wütet die anonyme Masse. Denn die scheinbare Unsichtbarkeit im Netz enthemmt virtuelle Diskussionen maßgeblich.

Ingrid Brodnig, netzpolitische Redakteurin in Wien, hat die Geschichte der Anonymität aufgearbeitet und erklärt, wie das Internet die Debatte nun zusätzlich anheizt. Sie liefert keine einfachen Antworten, sondern brauchbare Vorschläge, wie man sowohl Cyberaktivisten schützen als auch moderne Heckenschützen entwaffnen kann. Das Buch erscheint am kommenden Montag, den 27. Januar 2014.

Die Autorin

Ingrid Brodnig, geboren 1984 in Graz, studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation. Leiterin des Medienressorts der Wiener Wochenzeitung »Falter«, betreibt die wöchentliche IT-Kolumne »Digitalia« und die Radiokolumne »Digital.Leben« auf Ö1. Förderpreis für Bildungsjournalismus, European Young Journalist Award, Spitze-Feder-Förderpreis, Auszeichnung des »Österreichischen Journalisten« als eine der »Besten 30 unter 30«.
→ brodnig.org
→ twitter.com/brodnig

Weblinks zum Buch:

Kurier.at: „Schadenfreude treibt Trolle an“, Online-Foren sind kein Ponyhof, von Nicole Kolisch, 24.10.2013

Salzburger Nachrichten: Medien, Versteckt hinter der Anonymität im Netz, Von Michaela Hessenberger, 12.02.2014

Blog Literaturecke: Ingrid Brodnig: Der unsichtbare Mensch, 03.02.2014

Deutschlandfunk (Audio): Ingrid Brodnig im Corso-Gespräch mit Fabian Elsäßer, Shitstorms, „Trolle als Hacker unserer Gefühle“, 18.02.2014

 

Quelle: Ingrid Brodnig, Der unsichtbare Mensch, Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert, Czernin Verlag, Wien

 

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
Follow @KnutKuckel

Alle Beiträge

2 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

  • Was waren das noch für entspannte Zeiten, in den alten Leser- bzw. Hörerbriefredaktionen. Ich erinnere mich, einmal von einem früheren Lehrer einen Brief mit Bezug auf die Sprache eines Moderators bekommen zu haben. „Das ist asozial“, stand im Betreff. Wir haben ihn anschließend eingeladen. Er war einen Tag lang Gast in Redaktion und Studios. Der Mann wurde ein „Freund“.

  • Vielen Dank für diesen Hinweis! Bin sehr neugierig auf das Buch und halte den Ansatz der Kollegin für hochverdienstvoll.

    Im Grunde haben wir hier ein weiteres Beispiel für die „Digitale Kränkung“, die Lobo unlängst thematisiert hat. Es gibt tatsächlich einigen Anlaß, von der Entwicklung der Online-Kommentarkultur enttäuscht zu sein. Man nimmt das ja besonders dort war, wo einem die Diskussion sehr wichtig ist. In meinem Blog habe ich mal einen solchen Vorgang (halb wissenschaftlich, aber voll engagiert) bearbeitet: http://www.dirkhansen.net/gefuhlte-qualitat-kommentarkultur-im-kartenhaus/

    Natürlich ginge es auch anders. Und natürlich sind derlei Stänkereien nicht die Schuld des Digitalen Wandels. In meiner aktiven, analogen Redakteurszeit habe ich einige Stunden damit verbracht, telefonisch oder schriftlich mit Hörern, Zuschauern und Lesern zu kommunizieren. Viele bedenkenswerte Hinweise, aber auch eine ganze Menge Dreck. Ganz am Anfang stand mal „Euch hätte man früher vergast.l“ hoch im Kurs. Das hat sich Gottseidank gegeben.

    Klar wird mal wieder: Auch im Digitalen ergibt sich Streitkultur nicht von selbst. Wir brauchen auch hier Regeln. Sie werden den Diskurs nicht abwürgen. Im Gegenteil, an manchen Stellen erst ermöglichen.

Netzwerk

Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen...

Aktuell

Gerne gelesen

Wir über uns

Relaunched - Nachrichtenportal #journalistblog
Relaunched - Nachrichtenportal #journalistblog

#journalistblog veröffentlicht und vernetzt Beiträge und Meinungen.  Zur Politik, Pressefreiheit/Menschenrechten, den Medien und zur Qualität im Journalismus. mehr...

Bücher