Was in der oft zugespitzten Debatte um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gar nicht auffällt, ist die Erinnerung an seinen Vorgänger, Franz Kamphaus, der mit Erreichen seines 75 Geburtstages seine Amtszeit in Limburg vor sechs Jahren beendete.

Was in der oft zugespitzten Debatte um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gar nicht auffällt, ist die Erinnerung an seinen Vorgänger, Franz Kamphaus, der mit Erreichen seines 75 Geburtstages seine Amtszeit in Limburg vor sechs Jahren beendete. Es lohnt allerdings an den inzwischen 81jährigen Franz Kamphaus zu erinnern, der sicherlich den moralischen Tugenden des neuen Bischofs von Rom, Papst Franziskus, am nächsten kam. Gegensätzlicher könnten die beiden Limburger Bischöfe nicht sein. 

Kamphaus überlässt das bischöfliche Palais einer tamilischen Flüchtlingsfamilie und zieht ins Priesterseminar. Kamphaus fuhr, so oft es ging, mit der Bahn ins Frankfurter Gallus-Viertel, um sich um die sozial Schwachen zu kümmern. Sein Dienstfahrzeug sah ungefähr so aus, wie das von Papst Franziskus. Die Menschen lieben ihn, im Bistum Limburg, das auch für Frankfurt am Main zuständig ist. Es lohnt, sich an Franz Kamphaus zu erinnern.

Der Altbischof von Limburg setzte sich für Flüchtlinge ein, plädierte für eine “Bundesrepublik Erde”, in der keiner außen vor gelassen werde, wenn es um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gehe. Christen, so Kamphaus, gehörten an die Seite der Opfer, der Hungernden und Verwundeten, an die Seite derer, “die auf der Flucht sind und schreien”. Für Kamphaus steht fest: “Gott ist ein unverbesserlicher Weltverbesserer.” Und: “Die Welt ist verbesserlich.” Man müsse nur damit anfangen, “möglichst bei sich”.

Für großes Aufsehen sorgte seinerzeit, dass sich Kamphaus unter Berufung auf sein Gewissen als einziger der deutschen Diözesanbischöfe weigerte, der 1999 ergangenen Weisung des damaligen Papstes Johannes Paul II. an die Bischöfe zu folgen, in den Schwangeren-Beratungsstellen ihrer Bistümer nicht mehr den vom Gesetzgeber verlangten Beratungsschein ausstellen zu lassen. Im März 2002 dann verfügte Johannes Paul II. gegen den Willen von Kamphaus den Ausstieg des Bistums Limburg aus der gesetzlichen Konfliktberatung. Zugleich bat er den Bischof, im Amt zu bleiben. Quelle: → Der frühere Limburger Bischof Franz Kamphaus wird 80 Jahre alt, Der sture, zarte Prophet, Mathias Peter, 02.02.2012, domradio.de.

Franz Kamphaus (1932 geboren) wurde 1982 der elfte Bischof von Limburg. Bischof Kamphaus stellte seine Amtszeit unter den Wahlspruch “Den Armen das Evangelium verkünden”. Über das kirchliche Umfeld hinaus war er durch seinen Einsatz für Flüchtlinge und Asylbewerber sowie als Anwalt der Armen und Schwachen bekannt. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählten Themen wie Eine Welt, Gerechtigkeit und Frieden, Globalisierung und die Zukunft des Glaubens. Von 1986 bis 1991 war er im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz als “Jugendbischof” tätig. 2005 wurden im Bistum unter seiner Ägide die drei Jugendkirchen in Limburg, Frankfurt und Wiesbaden gegründet. Kamphaus, der am 17. Juni 2007 sein 25-jähriges Bischofsjubiläum feiern konnte, wohnt seit seiner Emeritierung im St. Vincenzstift Aulhausen in Rüdesheim. Quelle: → Bisherige Bischöfe des Bistums Limburg, Franz Kamphaus, Bistum Limburg.

Der wegen seiner Amtsführung seit Monaten umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist nach Rom gereist. Nach Angaben von Bistumssprecher Martin Wind hält sich der Geistliche zu Gesprächen im Vatikan auf. Der genaue Zeitplan, so der Sprecher, sei ihm nicht bekannt.

Der ehemalige Bischof Franz Kamphaus von Limburg verurteilt das Verhalten seines Nachfolgers Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Während der Sonntags-Predigt in der Kapelle seiner Altersresidenz im St. Vincencstift in Rüdesheim-Aulhausen sagte er: “Es schmerzt mich, dass das Bistum am Boden kriecht.” Es sei eine sehr schwierige Situation, und er hoffe, dass in den nächsten Tagen die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Quelle: → Amtsvorgänger verurteilt Tebartz-van Elsts Verhalten, Lena Kampf, 13.10.2013, stern.de.

Leseempfehlung:
Franz Kamphaus, Mach’s wie Gott, werde Mensch, Ein Lesebuch zum Glauben, Herausgegeben von Regina Groot Bramel, Verlag Herder, Freiburg, www.herder.de

Verlag Herder, Veröffentlicht am 23.12.2013
Franz Kamphaus, ehem. Bischof von Limburg, findet auch über den Raum der Kirche hinaus Gehör. Seine Bücher, seine Meditationen, seine Predigten, seine Zeitungsartikel lassen aufhorchen. Sie bringen auf unnachahmliche Weise auf den Punkt, welchen Unterschied der Glaube für das Leben macht. Entlang den Aussagen des Glaubensbekenntnisses sind hier Texte aus dem Gesamtwerk zusammengestellt – Texte mit Aha-Effekt. Sie zeigen, worum es beim Glauben geht. Denn je mehr Raum wir Gott lassen, desto menschlicher wird die Welt.

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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2 Kommentare

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  • Liebe Frau Bramel,

    vielen Dank für Ihre schöne Ergänzung zu dem auch schon sehr erfreulichen Artikel! Sie (beide) haben mir aus dem Herzen gesprochen!
    Wolfgang Teschner, Hannover (ev.)

  • Sehr geehrter Herr Kuckel,

    dieser Tage bin ich beim Stöbern auf Ihren informativen und kurzweiligen Blog gestoßen. Sie gehen darin auf die Vorkommnisse um Tebartz- von- Elst ein und zitieren u.a. aus einem Artikel von Frau Kampf im Stern. Sie beschreibt darin auch die Haltung, die sein Vorgänger, Bischof Franz Kamphaus, zu den Ereignissen eingenommen hat. Offenbar hat sie ihn in Aulhausen besucht und einen alten, kranken und tief unglücklichen Mann vorgefunden, der sich nicht äußern will, weil er es kaum aushält, sein Bistum so am Boden zu sehen.

    Der Nachfolger fiel durch unterschiedliche Peinlichkeiten auf und gab in den Medien viele Worte von sich, die er besser für sich behalten oder gar nicht erst gedacht hätte.

    Ich hatte in dieser Zeit Freude an den Veröffentlichungen dessen, was Bischof Kamphaus während seiner Amtszeit gesagt hat. Es hat gut getan, seine punktgenaue, präzise und anschauliche Sprache auf sich wirken zu lassen. Seine Auslegung der Inhalte des christlichen Glaubens hat Gewicht und kommt überzeugend an, weil spürbar ist, dass ein durch und durch glaubwürdiger Mensch auf Augenhöhe zu anderen Menschen spricht. Keine Spur von Dünkel und Anmaßung, jeder Zoll eine integere, authentische Persönlichkeit.

    Ich bin die Herausgeberin eines neuen Kamphaus-Buches, das eine Zusammenschau der wichtigsten Auslegungen von ihm ist. Anlässlich dessen hatte ich im November die Gelegenheit, mit ihm ein längeres Gespräch zu führen und erlebte ihn frisch, ungebrochen und klar bezogen auf seinen Lebensinhalt, die Verkündigung des Evangeliums. Auch angesichts der Scherben und irreparablen Schäden, die er nicht verhindern konnte, ist er ein treuer Botschafter und Mitarbeiter an einer „verbesserlichen Welt“.

    Den Video-clip zum Gespräch finden Sie auf „Herder Kamphaus“. Ich schreibe Ihnen und Frau Kampf in der Hoffnung, dass ein Artikel von Ihnen dazu beitragen könnte, endlich einmal wieder eine „gute Nachricht“ aus dem Bistum Limburg zu verbreiten. Der streitbare, tapfere Einzelkämpfer von damals hat noch immer etwas zu sagen. Er sorgte seinerzeit dafür, dass im konservativ denkenden Rom misstrauisch nach Limburg geschaut wurde, weil dort die Gesetze für die Menschen da waren, nicht umgekehrt, weil die Schwangeren- Konfliktberatung weitergeführt wurde und der Bischof Konflikte deswegen nicht scheute. Das war eine andere Qualität von Öffentlichkeitsarbeit!

    Leider gerät so etwas schneller in Vergessenheit als die Unsäglichkeiten jüngster Skandale. Schön wäre es, daran zu erinnern und eine Kostprobe Kamphaus anzubieten, statt einer medial gründlich aufgekochten, schwer verdaulichen Suppe, die der Nachfolger eingebrockt hat und die noch lange nicht ausgelöffelt ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    Regina Groot Bramel

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