Sonja Kaute, freie Journalistin schreibt: Ich weiß nicht, ob das für Sie interessant ist, aber ich habe 2009 für meine Diplomarbeit 66 Blogger, größtenteils Journalisten, über die Vorteile des Bloggens interviewt. Ihre Antworten sind bis heute aktuell, auch wenn die Arbeit schon ein paar Jahre alt ist.

Sonja Kaute, freie Journalistin schreibt: Ich weiß nicht, ob das für Sie interessant ist, aber ich habe 2009 für meine Diplomarbeit 66 Blogger, größtenteils Journalisten, über die Vorteile des Bloggens interviewt. Ihre Antworten sind bis heute aktuell, auch wenn die Arbeit schon ein paar Jahre alt ist. 

Die Arbeit gibt’s als Voll- und Kurzversion in „Stift & Blog“. Auszüge.

Weblogs stellen Journalisten vor neue Herausforderungen. Journalisten tun sich offenbar schwer mit dem durch das Social Web und Weblogs herbeigeführten Wandel ihres Berufes. Dabei können sie auf zahlreiche Arten von Weblogs rofitieren. Redaktionen und Journalisten können Blogs als Marketinginstrument einsetzen, indem sie die Nutzer auf diesem Weg an die mediale Dachmarke binden, in eigenen Weblogs Expertise und Dialogbereitschaft zeigen, den journalistischen Arbeitsprozess transparent darstellen und reflektieren. Sie können über ihre Weblogs Aufträge generieren und vom Wissen der Nutzer profitieren. Von Journalisten geführte Weblogs und Medien-Watchblogs gehören zu den meist gelesenen Weblogs Deutschlands.

„Der Journalismus (…) erfährt den wohl dramatischsten Umbruch seit der Erfindung des Fernsehens“, heißt es in einem kurz vor Abgabe der Diplomarbeit auf der Website der Neuen Zürcher Zeitung erschienenen Artikel.¹ Darin geht es um Weblogs und ihre Auswirkungen auf den klassischen Journalismus. Eine dieser Auswirkungen ist die seit mehreren Jahren immer wieder hoch kochende Auseinandersetzung zwischen Bloggern und Journalisten. Die „gegenseitige Verachtung und die Beleidigungen zwischen Profi-Journalisten und bloggenden Amateuren“ markieren den NZZ-Autoren zufolge „den Beginn eines publizistischen Klassenkampfs um die Vormachtstellung in der Öffentlichkeit, der seinen Höhepunkt noch nicht erlebt hat.“ Blogger und Journalisten begriffen sich als Gegner.

Blogger seien enttäuscht „ob fehlender Anerkennung durch die andere Seite“, während Journalisten die „Angst um den eigenen Status“ antriebe. Grenzgänger zwischen den Fronten hätten es schwer. Weblogs seien vom „Nebenprodukt zum tonangebenden Meinungsforum und Sprachrohr einer Gegenbewegung zum massenmedialen Mainstream avanciert“, heißt es in dem Artikel weiter. Eine solche Entwicklung hat auch Folgen für den klassischen Journalismus. Weblogs verändern die journalistischen Arbeitsprozesse und Distributionswege und ermöglichen eine nie zuvor erlebte Dichte öffentlicher Kommunikation. Zu beobachten sind diese Veränderungen beispielsweise an der steigenden Zahl von Zeitungen, die Weblogs in ihr Online-Angebot integrieren.

Auch immer mehr freie Journalisten entdecken das Format für sich. Sie sind die Grenzgänger, die sich jenseits der „gegnerischen“ Front bewegen. Sie verstehen Weblogs als Werkzeug, von dessen Vorteilen sie beruflich profitieren. Sie nutzen sie zur Interaktion mit den Nutzern, zur Eigen-PR, recherchieren in Expertenblogs und üben Medienkritik in Weblogs. Dabei spielen die alten Streitfragen – Sind Blogger Journalisten? Können Journalisten Blogger sein? Sind sie journalistische Blogger oder bloggende Journalisten? – überhaupt keine Rolle. Diese Grenzgänger haben längst begriffen, dass eine solche Diskussion kontraproduktiv ist.

Zitat
Während eloquente Online-Chefredaktoren wie Jochen Wegner, Jörg Sadrozinski oder Hans-Jürgen Jakobs deutschlandweit auf Web-2.0-Kongressen und Medien-Panels regelmässig über die Zukunft des Journalismus räsonieren, agieren Alpha-Blogger wie Robert Basic und Don Alphonso, aber auch Internet-Urgesteine wie Florian Rötzer und Peter Glaser eher im Verborgenen. Die Blogger-Szene dringt verhältnismässig selten in die weitere Öffentlichkeit vor. Allerdings sind die meisten Wortführer im Internet begnadete Netzwerker; der von Markus Beckedahl ins Leben gerufene Blogger-Kongress «re:publica» ermöglicht ein bundesweites Networking über die Online-Hochburgen in Berlin, Hamburg und München hinaus.
Stepahn Weichert / Christian Zabel, Quelle: s.u.

¹ WEICHERT, Stephan / ZABEL, Christian: Digitaler Kulturkampf. Ein Blick auf den AlphaJournalismus 2.0. In: NZZ Online, 14.8.2009. URL: http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/digitaler-kulturkampf-1.3338395 (Stand 10.3.2010)

Viele Journalisten stehen dem Wandel ihres Berufes durch das Social Web skeptisch bis ablehnend gegenüber. Einige betrachten Blogger als Konkurrenz und fühlen sich in ihrer Rolle als Schleusenwärter zwischen Nachrichten und Publikum angegriffen. Die „Gatekeeper“-Funktion geht zu einem erheblichen Teil von den Medienmachern auf die Rezipienten über: Die früheren Nachrichten-Konsumenten sind nicht mehr abhängig von der Auswahl der Journalisten, sondern wählen selber aus und umgehen die ehemaligen Schleusenwächter. Umgekehrt veröffentlichen auch Kommunikatoren wie Unternehmen und Politiker ihre Inhalte zunehmend unabhängig von den Medienmachern auf eigenen Plattformen wie Weblogs.

Gleichzeitig verwischen die Grenzen zwischen Weblogs und Journalismus zunehmend. Blogger schreiben beispielsweise über aktuelle Ereignisse und kommentieren journalistische Beiträge. Journalisten dagegen bloggen immer häufiger selbst. Redaktionen binden Redakteurs- und Leserblogs in ihre Websites ein und nutzen das Feedback der Leser und Nutzer für Beiträge. Wissenschaftler bezeichnen das Verhältnis von Weblogs und Journalismus daher als komplementär. Der Journalismus kann von dieser Entwicklung profitieren. In „Grenzgänger 2.0“ werden Weblogs daher explizit nicht als Konkurrenz oder Gefahr für den Journalismus betrachtet.

Nicht alle Blogger waren der Meinung, Journalisten sollten generell selber bloggen. Allerdings befürworteten 65 der 66 Befragten, Journalisten sollten sich mit Weblogs auskennen, sie also mindestens lesen. Hans-Peter Siebenhaar, Wirtschaftsredakteur des Handelsblatt, schrieb beispielsweise: „Weblogs sind für Journalisten unerlässlich. Journalisten, die keine Blogs verfolgen, sind von gestern.“

Die Ergebnisse der Interviews zeichnen (wie erwartet) ein äußerst positives, enthusiastisches und optimistisches Meinungsbild der Blogger über Weblogs. Vor diesem Hintergrund sind einige Antworten auf die Abschluss-Frage der Interviews – „Würden Sie aufs Bloggen verzichten wollen?“ – nicht verwunderlich. Roland Grün vom Trierischen Volksfreund zum Beispiel antwortete auf diese Frage: „Ja, wenn mir jemand eine Million und ein Stück Land auf den Kanaren schenkt… obwohl…“. Peer Schader, Journalist Blogger und Media Blogger bei der FAZ, schrieb: „Nicht nur weil ich derzeit einen wesentlichen Teil meiner Einnahmen dadurch erarbeite, sondern auch, weil es mir für meine journalistische Arbeit massive Vorteile bietet (…): auf keinen Fall!“35 Mit „Auf keinen FALL!!!“ und „NIE IM LEBEN!“ antworteten unter anderem auch ein anonymer Redakteur sowie Journalist Blogger Christian Jakubetz.36 Berufs- und somit Citizen Bloggerin „Acivasha“ fragte zurück: „Möchten Sie auf Radio verzichten? Oder auf die Tageszeitung?“ Sie meinte, ein Verzicht auf Weblogs würde sie in ihrer Informationsbeschaffung beschränken. „Ich ärgere mich viel mehr, dass ich nicht schon viel früher mit dem Bloggen angefangen habe“, schrieb Medienjournalistin Ulrike Langer, die ihr Weblog Medial Digital erst sechs Monate vor dem Interview gestartet hatte.

Quelle: Forschungsarbeit zur Diplomarbeit, Grenzgänger 2.0, Warum Journalisten Weblogs nicht länger ignorieren sollten, von Sonja Kaute, Download: http://stift-und-blog.de/wp-content/uploads/2011/05/Grenzgaenger-Kurzversion.pdf

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
Follow @KnutKuckel

Alle Beiträge

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Netzwerk

Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen...

Aktuell

Gerne gelesen

Wir über uns

Relaunched - Nachrichtenportal #journalistblog
Relaunched - Nachrichtenportal #journalistblog

#journalistblog veröffentlicht und vernetzt Beiträge und Meinungen.  Zur Politik, Pressefreiheit/Menschenrechten, den Medien und zur Qualität im Journalismus. mehr...

Bücher