Die Debatte "darf ein Journalist bloggen?" oder "ist ein Blogger Journalist?" ist nicht mehr aktuell, so sie jemals aktuell war? Richtig ist allerdings nach meiner Auffassung auch nicht, dass jeder, der irgendetwas "publiziert" in gleicher Weise journalistisch aktiv ist. In Deutschland neigen wir dazu, für alles Schubladen zu suchen. Was in keine Schublade passt, darf es nicht geben.

Die Debatte „darf ein Journalist bloggen?“ oder „ist ein Blogger Journalist?“ ist nicht mehr aktuell, so sie jemals aktuell war? Richtig ist allerdings nach meiner Auffassung auch nicht, dass jeder, der irgendetwas „publiziert“ in gleicher Weise journalistisch aktiv ist. In Deutschland neigen wir dazu, für alles Schubladen zu suchen. Was in keine Schublade passt, darf es nicht geben. 

Wenn ich etwas mit hohem Interesse lese, ist mir eigentlich egal, ob der Autor/die Autorin unserem Beruf zuzuordnen ist oder nicht. Dann lese ich aus Interesse. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Viele Journalisten sind inzwischen „Blogger“. Nicht immer im Sinne des klassischen Weblogs einer vergangenen Pionierphase, mehr im handwerklichen Sinne. Schreiben ist Kultur. Wie wir inzwischen wissen, macht „bloggen“ klüger. Das sehr viele Journalistinnen / Journalisten zur neuen Blogger-Szene gehören, ist doch nicht schlecht? Ich finde, ganz im Gegenteil und freue mich darüber. Das sorgt für ein gegenseitiges, informativges Befruchten. Ich neige nicht dazu von „den Journalisten“ zu reden, sondern bilde mir meine Meinung über einen Beitrag beim Lesen. „Die“ Journalisten sind nicht privilegierter als „die“ Blogger. Aber es gibt schlechte Journalisten und gute Blogger. Diese Feststellung ist auch im Umkehrschluss richtig.

Subjektiv gefärbter Journalismus?

„Im Web goutieren Leser einen subjektiv gefärbten Journalismus, bei dem der Schreiber mit seinem Namen einsteht für die verbreiteten Inhalte. Das wirkt auch längst auf die Printmedien zurück, wo Reporter, aber auch namentlich zeichnende Redakteure seit Mitte der Neunziger erheblich an Gewicht gewonnen haben. Kannte man in der Zeitung früher nur Namen und Konterfei des Chefredakteurs, der allmorgendlich auf Seite zwei alles kommentierte, als hätte er Ahnung von der Materie, pflegen nun auch Printmedien ihre Experten, die mit Foto und Name für bestimmte Themen stehen“. Quelle: Online-Journalismus-Trends – Blog bleibt Blog, Spiegel-Online

Was „Sache ist“ lese ich erst auf Twitter

Der Tech-Blogger und IT-Journalist Jean-Claude Frick blogt zum Thema: „Heute lese ich zuerst auf Twitter was Sache ist und kann kurze Zeit später auf diversen Seiten lesen was der Verfasser davon hält. Erscheint das Thema am nächsten Tag noch in der Zeitung erwarte ich dort Tiefgang und Erklärungen, alles andere habe ich schon lange erhalten. Die Zeitung ist nur noch eine weitere Möglichkeit mich zu informieren, nicht mehr DIE Möglichkeit. Der Print Journalist ist also nicht mehr der Einzige welcher mir etwas erklärt. Mit diesem Verlust der Meinungsführerschaft muss er erstmal klarkommen“. Quelle: Journalisten vs. Blogger – Ein uralter Konflikt neu entfacht.

Einmal Journalistin – immer Journalistin

Die selbständige PR-Beraterin und Trainerin Christa Oberfichtner schreibt in ihrem Blog: „Sind Blogger auch Journalisten? Meiner Meinung nach jein. Sie publizieren öffentlich, sie haben Leser – das ist einmal die eine Hälfte des Jobs. Die mindestens andere Hälfte des journalistischen Handwerks heißt recherchieren, gegenchecken, Wahrheitsgehalt abklopfen und dann erst berichten. Welche Blogger arbeiten so? Einmal Journalistin, immer Journalistin – so hat eine ehemalige Kollegin einen meiner Posts auf Facebook kommentiert. Und recht hat sie. Interessante Themen aufzuspüren, Fragen auf den Grund zu gehen, Rechercheergebnisse in kurze, gut lesbare Texte zu verpacken – das ist und bleibt eine meiner Leidenschaften. Auch wenn inzwischen das wesentlich umfangreichere Instrumentarium der PR-Kommunikation mein Hauptbetätigungsfeld ist“. Quelle: conco-media.

Deutsche Journalisten sind zurückhaltend

Martin Weigert schreibt in netzwertig.com, einem Blog über die Internet-Ökonomie: Eine Studie behauptet: Journalisten aus Deutschland sind besonders zurückhaltend, was Bloggen und Twittern angeht. Die Untersuchung ist methodisch fragwürdig, legt aber dennoch den Finger in eine Wunde. Die Gründe für die Zurückhaltung hiesiger Journalisten sind zweifelsohne vielseitig. Neben dem grundsätzlichen Fehlen einer ausufernden Begeisterung über die Möglichkeiten sozialer Netzwerke und Blogs in Deutschland könnten auch vertragliche Regelungen mit Auftraggebern sowie die Furcht vor dem Verlust von Aufträgen sowie dem Publizieren eigener Meinung in eigener Verantwortung eine Rolle spielen. Zudem scheint der Gedanke, ständig in eigener Mission unterwegs zu sein und eine persönliche Marke zu schaffen, vielen hiesigen Journalisten nicht zu behagen – sonst würde man es häufiger beobachten. Ich vermute, dass auch die negative Sicht auf in unseren Breitengerade verpöhnte “Selbstdarsteller” manche Mitglieder der schreibenden Zunft und anderer Medienbereiche davon abhält, sich selbst stärker in den Vordergrund zu rücken. Und der eine oder die andere hat vielleicht auch ganz einfach ein Problem damit, Wissen und kreative Arbeit mit der Öffentlichkeit zu teilen, ohne dafür bezahlt zu werden. Quelle: netzwertig.com, Journalisten und soziale Medien: Eine irrelevante Studie regt zum Nachdenken an

Bloggen – eine Gefahr oder Zukunft für den Journalismus?

Die Badische Zeitung schreibt: Inzwischen gibt es einige Journalisten, die einen privaten Blog führen und gleichzeitig auch noch für eine Zeitung schreiben. Das hört sich einfach an, ist für die Journalisten jedoch riskant. Denn sie haben einen Ruf zu verlieren: den Ruf des neutralen Berichterstatters. Wenn ein Journalist einen Bericht für eine Zeitung schreibt, muss dieser neutral sein. In einem privaten Blog kann er jedoch seine persönliche Meinung zu einem Thema veröffentlichen. Es stellt sich die Frage: Kann ein Journalist, der sich in seinem Blog zu einem Thema klar positioniert, noch einen neutralen Artikel zum gleichen Thema für eine Zeitung schreiben? Und wenn ja, wird dieser Artikel noch glaubwürdig sein? Wohl eher nicht. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, ist anonym zu bloggen. Die meisten bloggenden Journalisten benutzen ein Pseudonym, um ihre Identität zu verbergen. In diesem Fall können sie mit gutem Gewissen ihre Meinung äußern. Quelle: Bloggen – eine Gefahr für den Journalismus? Oder aber liegt im Blog die Zukunft der Zeitung?

Als Journalistin bloggen – ein Luxus mit Risiken und Nebenwirkungen

#eigenwach schreibt in ihrem Blog „das eigenwach bloggt“: Lang ist’s her, als ich meinen letzten Blogbeitrag hier verfasste. Zwar habe ich mir meinen Publikationsrhythmus bewusst offen gelassen. Doch mangelte es mir nicht an Lust und Laune zu bloggen. Auch sind mir die Ideen nicht ausgegangen – im Gegenteil: die Liste möglicher Blogthemen wächst wöchentlich. Was mich bisher hinderte, war das, was man wohl als Gretchenfrage eines jeden (privat) bloggenden Journalisten bezeichnen könnte: Was darf ich? Wie viel darf ich? Und wie weit darf ich gehen? Denn auch wenn ich es bisher nicht wahrhaben wollte und mir erst durch den Blog so richtig bewusst wurde: Ich habe einen Ruf zu verlieren. Nicht als Privatperson – was ich aus meinem Privatleben blogge, muss einzig und allein ich verantworten. Es geht um den Ruf von mir als Medienschaffende und damit auch immer um den Ruf des Medienunternehmens, für das ich arbeite. Insofern trage ich als bloggende Journalistin immer auch Verantwortung für meinen Arbeitgeber und meine Arbeitskollegen. Quelle: das eigenwach bloggt, Als Journalistin bloggen – ein Luxus mit Risiken und Nebenwirkungen.

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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4 Kommentare

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  • Ich versteh‘ das Problem nicht:

    1. Wenn ein Mensch sich in seinem Beruf als Journalist der Wahrheit verpflichtet fühlt, warum soll er dann nicht in seinem privaten Blog auch für „die Wahrheit“ einstehen.

    2. Wenn ein Mensch sich in seinem Beruf als Journalist einem Herren dient, warum soll er dann nicht in seinem privaten Blog sein schräges Weltbild verkünden – wissend, daß es nicht die Wahrheit ist.

    3. Wenn ein Mensch sich in seinem Beruf als Journalist einem Herren dient und sich dabei unwohl fühlt, warum soll er dann nicht in seinem privaten Blog versuchen, seinen Bärendienst an der Gesellschaft wieder gut zu machen?

    Aber
    4. wenn ein Mensch sich in seinem Beruf als Journalist der Wahrheit verpflichtet fühlt, und in seinem privaten Blog sein schräges Weltbild verkündet – wissend, daß es nicht die Wahrheit ist, dann soll er das bloggen lassen.

    Zu einfach gedacht?

    Gruß, Albert Dietz

    • Lieber Albert, ich kann mir vorstellen, dass die Frage „Dürfen Journalisten bloggen?“ Nicht-Journalisten und vor allem Jüngere Irritieren muss. Der Hintergrund dieser merkwürdigen Frage ist das vielleicht teilweise überlebte Berufs-Ethos das Hanns-Joachim Friedrichs in das inzwischen geflügelte Wort packte „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“ Nachzulesen hier: http://www.hanns-joachim-friedrichs.de/index.php?page=hjf&sub=2
      Diese Forderung wird noch heute oft als eisernes Gebot präsentiert. Früher wurde von Journalisten allen Ernstes gefordert, „neutral“ zu sein.
      Dass es „Neutralität“ nicht geben kann, ist heute wohl akzeptiert. Inzwischen lautet die Regel, die Berichterstattung müsse „ausgewogen“ sein, die Darstellung aber solle „eine Haltung zeigen“. (Eine der zahlreichen Diskussionen dazu: http://dju.verdi.de/aktuell/dokumentationen/jt )
      Und dann kamen die Blogger mit ihrer mitunter radikalen Subjektivität. Wie Knut Kuckel oben schreibt, kam es da zu Eifersüchteleien, wahrscheinlich hier und da aus Angst vor Konkurrenz und Machtverlust (auf Seiten der Journalisten). Sicherlich halten sich Journalisten öfter (aber auch nicht immer) an die journlistischen Standards, etwa daran, die jeweilige Quelle einer Information nachvollziehbar zu benennen.
      Wie subjektiv darf Journalismus sein? Wenn man für eine und in einer Redaktion arbeitet, wird das entweder vorgegeben oder ausdiskutiert. Als Bloggerin aber muss ich das ganz für mich allein entscheiden.
      Ich hatte anfangs gedacht, dass es auf journalisten-bloggen.de um diese Fragen gehen würde, hier also auf der vielzitierten „Meta-Ebene“ diskutiert werden solle. Bin also gespannt, wo die Reise hin führt.
      Herzliche Grüße
      Katrin

  • Die Debatte wird vorläufig weitergeführt, da bin ich mir sehr sicher. Aufgeschlossene Medien (das sollten eigentlich alle sein), werden die von vielen praktizierte Regel „das ist mein privater Blog“ akzeptieren, weil sie vom verlinkten Querverweis profitieren. Journalisten-bloggen.de wird das, an der Seite ähnlich ambitionierter Netzwerke unterstützen. Ab heute…

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